Mein Trauma und die Treppe
Ich habe Französisch als Fremdsprache studiert. Für mich war es der perfekte Studiengang. Ich habe es echt genossen und fleißig für die Vorlesungen gelernt. Ein Jahr, also zwei Studiensemester war ich auch im Austausch in Frankreich. Ich liebe die Sprache, die Menschen und ihre Kultur. Nachdem ich das Studium absolviert hatte, machte ich Praktikum als Lehrer in Griechenland. Wieso ausgerechnet dort? Ich hätte nämlich wählen können, ob ich es hierzulande mache oder im Ausland. Meine Entscheidung fiel auf Griechenland. Ich war auf einer Insel bei der Türkei und am Anfang war alles wunderbar, bis die Überschwemmung uns heimgesucht hat. Ich werde es niemals vergessen, wie es war. Als die große Welle kam, musste ich versuchen über die Treppe auf den ersten Stock zu kommen. Dann sah ich auf der selben Treppe meine Nachbarin. Mein größtes Trauma wird nicht, dass ich alles verloren habe, sondern, dass ich sie damals dort gelassen habe. Ich sollte ihr doch helfen, dabei rannte ich um mein Leben. Das war sehr egoistisch und alles andere als heldenhaft von mir. Ich kann es mir nicht verzeihen. Ich werde eines Tages noch einmal hinfahren, um das Trauma zu verarbeiten. So macht man das. Das hat mir eine Frau aus New York erzählt. Und sie weiß genau, was ein Trauma ist.